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Negative Strompreise entstehen an der Börse, wenn mehr Strom angeboten wird, als gerade gebraucht wird, typischerweise an sonnigen Wochenenden und Feiertagen um die Mittagszeit. Von November 2025 bis Oktober 2026 lag der deutsche Day-Ahead-Preis in 349 Stunden unter null. Geld bekommen Kunden mit dynamischem Tarif in diesen Stunden trotzdem fast nie, weil Netzentgelte, Steuern und Abgaben weiterlaufen.
Alle Zahlen auf dieser Seite stammen aus unserer Auswertung der Day-Ahead-Preise von Energy-Charts (Fraunhofer ISE, Daten: Bundesnetzagentur | SMARD.de, CC BY 4.0). Wir haben die 15-Minuten-Preise zu Stundenmitteln zusammengefasst und zählen eine Stunde als negativ, wenn ihr Mittel mindestens einen hundertstel Cent unter null liegt.
Warum gibt es negative Strompreise?
An der Börse treffen sich Angebot und Nachfrage für jede Viertelstunde des Folgetags. Scheint mittags die Sonne kräftig und weht dazu Wind, speisen Solar- und Windanlagen viel Strom ein. Ist gleichzeitig die Nachfrage niedrig, etwa an einem Sonntag oder Feiertag, gibt es mehr Strom als Abnehmer.
Normalerweise würden Kraftwerke dann einfach abschalten. Manche tun das aber nicht oder nicht schnell genug: Großkraftwerke lassen sich nur langsam herunterfahren, und viele kleinere Anlagen speisen ein, egal was die Börse zahlt. Für die Anbieter ist es dann günstiger, für die Abnahme zu bezahlen, als die Produktion zu drosseln. Der Preis fällt unter null.
Das Muster sieht man in den Daten deutlich. Von den 349 negativen Stunden entfielen
- 294 auf die Zeit zwischen 10 und 16 Uhr,
- 221 auf Samstage und Sonntage,
- 110 allein auf den April 2026.
Der Tag mit den meisten negativen Stunden war Ostersonntag, der 5. April 2026, mit 17 Stunden. Der tiefste Wert fiel auf den Feiertag 1. Mai 2026: Zwischen 13 und 14 Uhr lag der Börsenpreis bei –49,90 ct/kWh.
Wie oft war der Strompreis im letzten Jahr negativ?
Zwischen November 2025 und Oktober 2026 war der Börsenpreis in 349 von 8.760 Stunden negativ, das sind knapp 4 % des Jahres. Weitere 125 Stunden lagen nur um Bruchteile eines hundertstel Cents unter null; auf zwei Nachkommastellen gerundet sind das 0,00 ct. Wie tief es ging:
| Börsenpreis im Stundenmittel | Stunden |
|---|---|
| unter –0,01 ct/kWh | 349 |
| unter –1 ct/kWh | 115 |
| unter –5 ct/kWh | 34 |
| unter –10 ct/kWh | 18 |
| unter –20 ct/kWh | 8 |
Im Mittel lagen die 349 negativen Stunden bei –2,23 ct/kWh. Die acht Stunden unter –20 ct verteilen sich auf zwei Tage: den 26. April und den 1. Mai 2026, jeweils zwischen 12 und 16 Uhr.
Über das Jahr verteilt sich das ungleich. Negative Stunden nach Monaten: Februar 2, März 20, April 110, Mai 59, Juni 34, Juli 58, August 40, September 26. Von November bis Januar und im Oktober gab es keine solche Stunde.
In den 30 Tagen vom 8. Oktober bis 6. November 2026 war keine Stunde negativ. Am 10. Oktober lag der Preis drei Stunden lang bei 0,00 ct, am Sonntag, dem 25. Oktober, 13 Stunden lang. Den aktuellen Verlauf zeigt die Seite Börsenstrompreis heute und morgen.
Bekomme ich bei negativen Strompreisen Geld?
In aller Regel nicht. Der Börsenpreis ist nur ein Teil Ihres Endpreises. Netzentgelte, Stromsteuer und Abgaben zahlen Sie auch in Stunden mit negativem Börsenpreis. Dazu kommt bei vielen Anbietern ein Aufschlag, bei Tibber etwa 2,15 ct/kWh (Stand: 06.11.2026).
Ein Rechenbeispiel mit einer echten Tarifangabe: EWS Schönau nennt für den dynamischen Tarif einen festen Arbeitspreisanteil von 20,10 ct/kWh für Steuern, Abgaben und sonstige Kosten, plus Börsenpreis (Stand: 06.11.2026). Damit Ihr Arbeitspreis bei so einem Tarif unter null fällt, muss die Börse tiefer als –20,10 ct liegen. Das kam zwischen November 2025 und Oktober 2026 in acht Stunden vor. In den übrigen 341 negativen Stunden war Strom billig, aber nicht kostenlos.
Wie Anbieter mit negativen Preisen umgehen, ist unterschiedlich geregelt:
- 1KOMMA5° gibt laut FAQ auch negative Börsenpreise ohne Aufschlag weiter.
- EWS verrechnet negative Beschaffungskosten mit dem festen Arbeitspreis.
- Bei den übrigen Anbietern folgt der Arbeitspreis dem Börsenpreis; Details zu negativen Werten nennen die geprüften Tarifseiten nicht.
Was haben Sie mit dynamischem Tarif davon?
In negativen Stunden ist Ihr Strom so günstig wie sonst nie. Wer in diesen Stunden ein E-Auto lädt, einen Speicher füllt oder die Wärmepumpe Wasser aufheizen lässt, spart deutlich. Nur müssen Sie diese Stunden auch erwischen. Sie liegen fast immer mittags am Wochenende oder an Feiertagen, und überwiegend im Frühjahr und Sommer.
Wer eine Solaranlage hat, hat davon weniger. In genau diesen Stunden liefert die eigene Anlage ohnehin Strom, Netzbezug ist dann kaum nötig. Die Rechnung für PV-Haushalte steht unter Dynamischer Stromtarif mit PV und Speicher.
Für alle anderen gilt: Negative Preise sind ein netter Effekt, aber kein Grund für den Wechsel. 349 Stunden sind knapp 4 % des Jahres, und im Mittel lag der Preis dann bei –2,23 ct. Entscheidend für Ihre Rechnung sind die übrigen Stunden, besonders die teuren am Abend. Ob sich ein dynamischer Tarif für Sie lohnt, steht im Ratgeber Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif? und lässt sich im Ersparnis-Rechner nachrechnen.
